China 12.11.-19.11.2005

Photo-Collection (English)

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Nun meine letzten Tage in China. Da war ich immer schwer eingespannt.

Am Freitag hat mich Frau Huang, die Deutschlehrerin zum Abendessen eingeladen. Wir waren in einem Uni-eigenen Restaurant, haben nicht sehr viel, aber recht gut gegessen und uns unterhalten. Am Montag hat sie mir dann Adress-Aufkleber gebracht, damit ich ihr auch mal einen Brief schreiben kann. e-Mail mag sie nicht so sehr. Ich habe ihr auch meine Adresse gegeben, sie meint, sie besucht mich mal, wenn sie im nächsten Jahr wieder in Deutschland ist. Mal sehen, wohin sie alles fährt. Sie hat da immer ein großes Reise-Programm. Die Adresse in chinesischen Schriftzeichen habe ich mir von Studenten abtippen lassen; als Datei hebe ich sie besser auf als auf Papier.

Am Samstag, war ich noch mal in der Stadt zum Einkaufen. Neue Turnschuhe brauchte ich ja, die anderen, auch meine Lederschuhe habe ich in China entsorgt. Ein bisschen nach Hemden und Hosen habe ich mich auch umgesehen, aber nichts rechtes gefunden. Dann bin ich zu dem Kunstmarkt gefahren. Eine klassische chinesische Seidenjacke hatte ich mir ja lange eingebildet und nie gekauft. Ich habe immerhin gewusst, dass man sie da finden kann, so habe ich sie nun gekauft. Habe den Preis auch recht schön runterhandeln können. Chinese FurnituresDann bin ich durch verschiedene Antik-Möbelgeschäfte dort gegangen. So breite Stühle und Tee-Tischchen dazwischen hatte ich mir ja schon lange eingebildet, eigentlich sogar für meine chinesische Wohnungssaustattung. Mangels Gehalt im ersten Semester ging es aber nicht. Nun habe ich da mehrere solche Stühle gesehen, eine Kombination, die mir sehr gut gefiel, edel, nicht zu überladen mit Schnörkeln. Das kann man sicher länger ansehen. Die Form scheint sehr klas-sisch zu sein. In Shanghai auf dem Flughafen ist auf einem Plakat mit Werbung für Shanghai den gleichen Stuhl aus anderem Holz abgebildet. Ich habe vorsichtig nach dem Preis gefragt, der war nicht niedrig, aber in Ordnung. Ich habe noch gefragt, ob sie auch nach Deutschland schicken. Das ginge schon. Für die weiteren Diskussionen habe ich dann einen Studenten als Dolmetscher und zum Verhandeln angerufen und kommen lassen . Zum Glück hatte er auch Zeit und ist gleich in den Bus eingestiegen. Den Preis haben wir noch ein bisschen drücken können, nicht sehr viel. Der Verkäufer sagt, er bietet so schon realistische Preise (wir bekamen mit, dass er auch anderen, chinesischen Kunden nicht mehr Rabatt bietet). An so einem Geschäft mit Deutschland ist er interessiert, das ist auch gute Werbung für ihn. Schon daher bemüht er sich, ein faires Geschäft zu machen. – Von einer Spedition ließ er sich ein Angebot machen, was der Transport nach Deutschland, Hamburg Hafen kostet. Am Montag rief er beim Studenten an und sagte den Preis. Am Dienstag sind wir noch mal hin, haben Stühle und Tisch genau nach Fehlern inspiziert und das Geschäft abgeschlossen. Da ich am Montag schon mein Gehalt bekommen hatte, konnte ich gleich zahlen. – Mit Frau Schwarz hatte ich mich deshalb auch kurzgeschlossen. Sie hatte vor Jahren Lacktische aus Xi’An kommen lassen, wusste aber keine Preise mehr. Sie hat mir aber auch sehr geraten, die Stühle zu kaufen. Man sollte solche Gelegenheiten nicht ungenutzt verstreichen lassen.

Am Samstag Abend war ich bei Frau Schwarz zum Essen eingeladen. Das war ja schon länger ausgemacht. Es gab Schweinerippen mit Dörrobst gefüllt. Es war sehr gut und ein ganz anderer Geschmack zwischen all dem chi-nesischen Essen. Ich hatte einen Rotwein mitgebracht. Wir haben uns dann so unterhalten, vor allem sie, und ha-ben die Flasche Rotwein getrunken. Um 11 Uhr war der aus. Kurz entschlossen ging Frau Schwarz los und hat noch eine Flasche gekauft, an der wir dann bis 3 Uhr in der Früh getrunken haben. Sie ist schon eine der faszi-nierendsten Persönlichkeiten, die ich getroffen habe.

Am Sonntag Abend war Abendessen mit meiner Abteilung angesagt. Der Leiter und eine Mitarbeiterin aus der Parallel-Abteilung waren aber auch eingeladen. Es gab gutes Essen in einem feinen Restaurant ganz in der Nähe. Restaurants dieser Klasse verlieren dann leider meist das Typische. Alle Kollegen mussten mehrfach mit mir ansto-ßen, einen Toast sagen, und dann muß man das Glas leer trinken. Vorsorglich hätte ich den starken Schnaps da schon abgelehnt, so gab es nur Rotwein. Die Gläser werden da auch nur ganz wenig gefüllt; mit zwei kräftigen Schlucken hat man ausgetrunken. So habe ich das schadlos überstanden und bin nüchtern geblieben.

Am Montag haben wir noch ein paar Versuche gemacht, es gab auch von mehreren Seiten immer wieder Hilferufe, dass irgendetwas nicht funktioniert, und man braucht mich. Am Abend bekam ich dann mein Gehalt, noch ohne Erstattung des Flugtickets. Das wollte Huang Nan am nächsten Tag organisieren. Am Abend hatte ich dann die Studenten, mit denen ich mehr zusammen gearbeitet habe, oder die mir so geholfen haben zum Hotpot Essen einge-laden. Wir hatten keinen so scharfen Hotpot mit Öl, sondern mit Suppe. Es war gut, mir hat es geschmeckt und hatten einen gemütlichen Abend.

Candle holders from SanxinduiAm Dienstag war ich von der anderen Gruppe zum Abendessen eingeladen. Huang Nan war da auch eingeladen, und sogar die beiden Studenten, mit denen ich am meisten zusammen war. Geschenke bekam ich da auch: Tee, da weiß man schließlich, dass ich den immer mag. Und Souvenirs von Sanxingdui, einer antiken, untergegangenen Kultur. Sie haben diese ganz typischen schmalen Gesichter mit den großen Schlitz-Augen Man übergab es mir als Kerzenständer. Dann meinte aber jemand, es wären Schnaps-Stamper. Nichts Genaues weiß man nicht. Ich halte sie immer noch mehr für Kerzenständer.

Mit Geschenken ging es auch sonst weiter. Die Studenten, mit denen Chinese Opera Masksich viel zusammengearbeitet habe ließen es sich alle nicht nehmen, mir etwas zu schenken. Als persönliches Geschenk bekam ich die Sachen natürlich auch einzeln. Es ist ja sehr lieb gemeint. Eine PlüschChinese LadyTespot-Pandabären-Zucht habe ich auch. Mangels Bambus sitzen sie bei mir nun in der Palme. Eine kleine chinesische Trommel bekam ich auch noch, die habe ich aber schon meinem Ukrainer verschenkt, sich um meine Wohnung Pi Ying Charactersgekümmert hat.

Am Mittwoch Mittag war ich mit dem Kollegen essen, mit dem ich in Xiling war, und der mich auch in seine Heimat eingeladen hatte. Er muß viel unterrichten, da war es die letzte Gelegenheit, dass wir uns treffen. Der Mittwoch Abend war dann tatsächlich ohne gesellschaftlicher Verpflichtungen. Das hatte ich auch so vor, aber nicht gedacht, dass ich es schaffe. Einer meiner beiden Lieblings-Studenten hatte von einem Kinofilm erzählt, der sehr schön und anders sein soll als die üblichen Filme. Vermutlich so nachgemachte Ming-Dynastie. Ich dachte, ein Kino zum Abschluß wäre eigentlich nicht schlecht. Der Film läuft aber noch nicht, bisher gibt es nur den Vorspann zu sehen. Wir sind dann in einen anderen, typisch chinesischen Film gegangen. Harry Potter oder so wollte ich ja nicht sehen. Schon von der Aufmachung her war es mir ja klar, dass mir der nicht wirklich gefallen wird. Aber da muß man durch, ich wollte einen neuen chinesischen Film sehen. Es vergingen kaum fünf Minuten in dem Film, wo nicht ein halbes Dutzend Leute erschossen wurden, explodierten oder sonst was. In der Menge wird es zwar auch schon wieder Parodie, meinen Geschmack trifft es aber trotzdem nicht. Es war ein typischer Hongkong-Film, sagten mir die Studenten danach. – An einem Tortenladen kamen wir auch vorbei. Wie ich meinte, so was wollte ich mir immer kaufen und habe es nun versäumt, gingen die Studenten gleich hinein und haben eine verlangt. Obwohl es einige im Schaufenster gibt, wird so eine Torte bei der Bestellung sofort neu gemacht. Wirklich toll schmeckt sie aber nicht, es ist ein rechter Einheitsgeschmack.

AMaking a cakebendessen wollte ich an dem Tag nicht fein, das habe ich die ganze übrige Zeit getan. Wir haben gegrillte Spieße an meinem Stammplatz gekauft. Dahin bin ich immer gegangen, weil der Service dort am besten ist. Und tatsächlich hat man mir gleich wieder einen großen Stuhl zum Sitzen gebracht, während die Chinesen auf kleinen Höckerchen sitzen müssen.

Donnerstag war dann erst noch mal recht arbeitsam. Huang Nan hat durchgesetzt, dass ich meine ganzen Flug-kosten erstattet bekomme und nicht nur den Pauschalbetrag von 5.000 Yuan. Das Geld bekam ich in der Frühe, dann habe ich einen Studenten gebraucht, der mir beim Geld Umtauschen hilft. Ich brauche dafür verschiedene Unterschriften aus der Uni, erst dann kann ich zur Bank. Uni-Verwaltung ist ja sehr komisch in China. Nur eine Frau weiß, wo das (Uni-interne) Formblatt ist, in das ich meine Namen und den Betrag einsetzen muß, den ich umtauschen will. Da sie nicht am Platz war, musste ich warten. Weder der Kollege, der im gleichen Raum arbeitet, noch die Abteilungsleiterin konnten da etwas machen. Sie haben nur recht hektisch nach dieser Dame telephoniert. Die Abteilungsleiterin musste dann unterschreiben, aus der Finanzabteilung bekam ich einen anderen Zettel, mit dem ich zur Bank gehen konnte. Es hat alles gut geklappt.

Wanjin, Huang Nan, Manfred Maitz, SunWie ich zurück kam wurde ich noch formell zum Advisor Expert des Instituts ernannt und erhielt meine Ernennungsurkunde. Master Students of the Biomaterials DepartmentImmerhin hat die Zeit gefehlt, daraus eine ganz große Zeremonie zu machen, was sonst üblich ist. Außerdem bekam ich mein Geschenk vom Institut. Es ist sehr schön, die Verfassung der 3-Königreichs-Periode als Kaligraphie auf Holz. Einen Photo-Termin mit Kollegen und Studenten gab es auch noch. Mittagessen hatte ich mit Constitution - Three kingdom periodHuang Nan im Restaurant vom Uni-Hotel. Dann war ich noch mal kurz bei meinen Liu Yu Rong, Manfred Maitz, ??, Yu Xiao HuaKollegen von der anderen Gruppe im Labor, auch da gab es ein Gruppenphoto und ich habe auch noch Bilder vom Labor gemacht, weil ich die ja bisher vergessen habe.

Dann habe ich versucht, die letzten Geschenke noch in meinem Gepäck unterzubringen und meine Wohnung an sonsten auf Vordermann zu bringen. Ich ging noch mal zu Frau Schwarz und brachte ihr ein paar Sachen, die ich nicht mitnehmen kann und auch nicht untergehen lassen will. Sie hat vor allem mein Geschirr und mein professionelles Putzzeug bekommen. Manches behält sie vielleicht selbst, das meiste wird sie anderen Deutschen, die für kurze Zeit hierher kommen zur Verfügung stellen. Bei den Österreichern ist das schon Tradition so, Deutsche sind wohl nicht so viele da. Da ich nicht in der Sprach-Fakultät bin, haben wir uns sowieso zu spät getroffen. Eine Packung Tamiflu habe ich ihr noch dagelassen. Die Hühnergrippe fürchtet sie schon auch etwas.

Dann kam der rührselige Abschied. Der Abschied von Kollegen war freundlich herzlich, aber nicht weiter bewe -gend. Die Studenten haben es dagegen schon sehr rührend gemacht. Eine ganze Gruppe kam noch in meine Woh-nung und hat mir geholfen, mein Gepäck zu tragen. Da das Auto mit Huang Nans Frau als Fahrerin, Huang Nan, einer Studentin und mir voll war, haben die anderen Studenten sogar ein Taxi zum Flughafen genommen um mich dort zu verabschieden. Außerdem kam noch ein Student aus der Deutschrunde mit seiner Tante (die hat ein Auto) zum Flughafen und hat mir eine Teetasse als Abschiedsgeschenk gebracht. – Das Gepäck, das ich einchecken wollte hat etwa 38 kg gewogen, obwohl nur 30 erlaubt sind. Umpacken konnte und wollte ich da nichts mehr, so musste ich Übergepäck zahlen. Kreditkarte geht nicht, Yuan hatte ich nicht mehr so viele, da hat es prompt gleich ein Student übernommen, was mir sehr peinlich war. Ich musste mich sputen, dass ich zu meinem Flieger kam.

In Shanghai musste ich mein Gepäck wieder in Empfang nehmen und habe mich darauf eingestellt, bis zum nächsten Tag in der Früh zu sitzen. Kollegen und Studenten haben noch angerufen und SMS geschickt. Dann kam aber ein Werber für Hotels hier und sagte, der Flughafen wird um 2 Uhr geschlossen, was ich ihm ja nicht ganz abnehme. Das Flughafen-Hotel kostet 100 USD die Nacht und ist ganz in der Nähe. Ich wollte sitzen bleiben . Ein anderes Hotel kostet 280 Yuan die Nacht mit freiem Transfer vom/zum Flughafen. Ich wollte immer noch sitzen bleiben. Ein drittes Hotel kostet 200 Yuan mit freiem Transfer. Da habe ich dann nachgefragt, ob sie auch Kreditkarte akzeptieren. Das tun sie aber nicht, nur das teurere. Also wollte ich sitzen bleiben. Nach fünf Minuten kam der Mann wieder. Ich kann das teurere Hotel für 250 Yuan mit Kreditkarte haben. Da habe ich zugestimmt. Wegen der internationalen Kreditkarte hat es zwar 10 Yuan mehr gekostet, war mir aber auch recht. Ich hatte ein ordentliches Zimmer mit Bett und Bad. Ich konnte mein Gepäck etwas umpacken, ein paar Kleinigkeiten wegwerfen, ein paar schwere Sachen in mein Handgepäck nehmen und nahm noch ein Stück Hand-gepäck mehr – ich hätte behauptet, das habe ich beim Duty Free am Flughafen eingekauft. Da war das Check-in Gepäck dann tatsächlich nur 30 kg. Der Mann hat mich aber nur bis Frankfurt durchgecheckt. Für den deut-schen Flug waren ja nur 20kg erlaubt.

Der Flieger war später angesetzt und hatte noch lange Verspätung. Er war dann voll, und ich hatte einen unangenehmen Mittelplatz. Konnte praktisch nicht schlafen. In Frankfurt dachte ich, dass ich mein Gepäck in Empfang nehmen und neu einchecken muß. Wie das Gepäck nicht kam, habe ich nachgefragt. Es war doch durchgecheckt, ich brauchte nur eine neue Bordkarte. Die bekam ich ohne Aufpreis. – In Frankfurt gab es eine recht intensive Gepäck-Kontrolle nach Lebensmitteln. Ich glaube aber, es wurden nur die Lebensmittel angeschaut, die die Leute angaben. Ich hatte einen Dörrfisch in der Tasche, den ich in Shanghai nicht mehr geschafft habe. Den habe ich gezeigt, er war kein Problem, dann hat man sich für mich nicht mehr interessiert. In Dresden wurde mein Gepäck durchleuchtet auf Zigaretten und Alkohol, was ich ja nicht hatte. So ging alles gut.
Ich habe ein Taxi nach Hause genommen. Weil es gerade geschneit hat, habe ich gefragt, ob das der erste Schnee in dem Jahr sei. Da hat mich die Fahrerin angeschaut, als käme ich von einem anderen Stern. Die ganze Zeit war wunderbares Herbstwetter. – Beim Bezahlen hätte ich ihr einen Yuan-Schein geben wollen, den hat sie aber nicht akzeptiert. Für mich war er inzwischen schon so geläufig...


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letzte Aktualisierung: 01.05.2006